Dr.med. Dr.phil. Michaela Hoffmann

Kinder- und Jugendpsychiatrie     Sozialpsychiatrie      Psychotherapie


Lese-Rechtschreibstörung

Was ist Lese-Rechtschreibstörung?

Dies ist eine auf angeborenen Wahrnehmungsstörungen beruhende Teilleistungsstörung. Das heißt, Ihr Kind kann insgesamt genauso gut lernen wie andere Kinder. Ein Teil seiner Fähigkeiten ist beeinträchtigt. Dies erscheint aber Ihrem Kind in der Grundschulzeit, als könne es gerade nicht lernen wie andere Kinder. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie dies Ihrem Kind erklären.

Rechtschreibstörung

In der Schule sollte die Rechtschreibstörung in allen Fächern Berücksichtigung finden, deshalb wird es über die Deutschlehrer in der Klassenkonferenz allen Lehrern mitgeteilt. Die Deutschlehrer entscheiden, ob Ihr Kind am Förderunterricht teilnehmen soll. Dadurch, dass Verständnis für seine Lese-Rechtschreibstörung aufgebracht wird, soll Ihr Kind davor geschützt werden, dass es seine Zweifel an seinen Fähigkeiten auch auf andere Fächer überträgt, die nicht beeinträchtigt sein müssen. 
Es soll in seiner guten Motivation für Schule dadurch unterstützt werden.

Ihr Kind kann in der Schule, solange eine Lese-Rechtschreibstörung anerkannt ist, auch für Prüfungen besondere Erleichterungen erhalten, z.B. mehr Zeit und die Benutzung eines Wörterbuchs. (Diese Hilfen kann es auch für die Führerscheinprüfung geben.)

Es können Wiederholungsuntersuchungen notwendig sein, um Veränderungen in den Lese-Rechtschreibschwierigkeiten festzustellen. 

Fremdsprachen und Lese-Rechtschreibstörung 

Es ist oft nicht sinnvoll, Französisch zu wählen, weil es viel schwieriger zu schreiben ist als andere Fremdsprachen. 

Mündliche Beteiligung und Lese-Rechtschreibung 

Sie sollten ihr Kind ermutigen, sich mündlich zu beteiligen, damit es dadurch erfährt, dass es doch etwas kann z.B. in Deutsch, auch wenn das Schreiben schwierig ist. 

Wie geht es weiter? 

Die Erfahrung lehrt, dass etwa mit der 8. Klasse die Belastung durch eine Lese-Rechtschreibstörung besser wird, weil in der Schule kaum noch Diktate geschrieben werden und die Jugendlichen im Aufsatz die Worte, die sie sicher schreiben können, aussuchen. Die Rechtschreibung wird in Aufsätzen auch nur zu einem Teil, z.B. zu einem Drittel bewertet. Man hat dann schon einen gewissen Wortschatz und viele Worte wiederholen sich, man lernt nicht mehr täglich viele neue Worte. Außerdem haben die Jugendlichen dann erfahren, dass Rechtschreiben nur einen Teil ihres Lebens ausmacht, dass sie mehr sind, als jemand mit Rechtschreibproblemen. 

Trotzdem wählt man eher keinen Beruf, in dem man viele neue Worte schreiben und lesen muss, denn die Störung bleibt bestehen, man lernt damit umzugehen und sie ist dann nicht mehr so bedeutsam.

Lesestörung

Auf eine Lesestörung könnte dadurch Rücksicht genommen werden, dass Ihr Kind nicht unvorbereitet vor der Klasse vorliest, damit es nicht Ablehnung von anderen erfährt. Außerdem kann es hilfreich sein, Arbeitsanleitungen vorzulesen oder dem Kind dafür mehr Zeit zu geben. Dies gilt auch für Mathematik.

Außerschulische Förderung

Wenn der schulische Förderunterricht nicht ausreichend ist, können Sie beim zuständigen Jugend- und Sozialamt eine Hilfe (Hilfe zur Erziehung nach § 35 a KJHG, unabhängig vom Einkommen) beantragen. Mit dieser Bewilligung kann Ihr Kind außerschulische Förderung über einen gewissen Zeitraum erhalten. Das Amt braucht dazu noch eine Schulauskunft und ein Fachgutachten, das wir anhand der bei uns durchgeführten und von der Krankenkasse bezahlten Untersuchungen erstellen. Dieses Gutachten ist aber keine kassenärztliche Leistung und wird Ihnen privat in Rechnung gestellt.

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